Körperpsychotherapie

Bei der verhaltenstherapeutisch orientierten Körperpsychotherapie kann von einem integrativ-übergreifenden Modell ausgegangen werden, das Anleihen bei den humanistischen Therapieschulen sowie der Tiefenpsychologie macht.
Alle Erfahrungen und alles Verhalten ebenso wie die zum großen Teil unbewusste Regulation der somatischen, psychosomatischen und psychischen Prozesse des Erlebens werden durch den Körper vermittelt.
Sämtliche Emotionen manifestieren sich im Körper: seien es Tränen der Trauer, die Anspannung der Erregung in der Wut oder die Blockade der Ohnmacht, seien es Herzrasen und Atembeklemmung in der Angst, seien es die muskulären wie vegetativen Veränderungen bei Aggression, Freude oder anderen Gefühlen. Zur Gewohnheit gewordene Haltungen sind erkennbar in der Körperstruktur verfestigt.
In der achtsamen Betrachtung der körperlichen Empfindungen und Reaktionen kommen wir Gefühlen, Impulsen und Bedürfnissen auf die Spur, die noch nicht bewusst erkannt und verbal mitgeteilt werden können. Der Körper wird als Ressource für den therapeutischen Prozess genutzt.

Bei der Konzeptualisierung der verhaltenstherapeutisch geprägten Körperpsychotherapie ist das Modell der „Psychologischen Psychotherapie“ nach Grawe auf dem Boden neuester neurobiologischer Erkenntnisse hilfreich.
Dabei kommt die „Erlebnisaktualisierung“ zum Tragen, als einer der vier Wirkfaktoren, die laut Grawe die Wirksamkeit der Psychotherapie ausmachen. Ergebnisse der Neurobiologie besagen nämlich, dass nur aktivierte neuronale Erregungsmuster unmittelbar erlebt und verändert werden können.

Das therapeutische Vorgehen in der Körperpsychotherapie ist prozessorientiert und greift alles auf, was unmittelbar und unwillkürlich körperlich, gefühlsmäßig und gedanklich erlebt wird z. B. aufkommende Körpersensationen, Gefühle, Bilder, Szenen und Worte. Anschließend wird das spontane Erleben in einen Sinnzusammenhang gebracht, der dem Patienten neue Erkenntnisse bezüglich seiner handlungs-, denk- und gefühlssteuernden Schemata vermittelt, die damit der Veränderung zugänglich gemacht werden können.